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Abraham. Ahnvater – Vorbild – Kultstifter (Matthias Köckert)   

Rezension zu Band 31 aus der Reihe «Biblische Gestalten»

Ich empfehle immer gern, wenn wer für eine schriftliche Arbeit nach Sekundärliteratur fragt, ein Taschenbuch aus der Reihe «Biblische Gestalten», sofern ein entsprechender Band schon erschienen ist. Gedacht ist die laufend fortgesetzte Buchreihe für Interessierte, nicht für FachtheologInnen. Aber gerade auch diese werden die kompakten Einführungen, immer auf dem neusten Stand der Forschung, zu schätzen wissen.

Band 31 nun zu Abraham ist nun sehr gewichtig geraten, im doppelten Wortsinn: Es ist wohl der umfangreichste Band der Reihe, und für Nicht-BiblikerInnen streckenweise harte Kost. Aber auch entsprechend nahrhaft… Die Abraham-Geschichten werden gedeutet als literarische Komposition, aus einzelnen Geschichten wurde eine Gross-Erzählung. Dabei zeigt Köckert nachvollziehbar und schlüssig, wie unterschiedliche Stimmen, Zeiten und Haltungen dabei ins Gespräch mit einander kommen. Für BiblikerInnen interessant die Diskussion um Alternativen zum (fragwürdigen) Quellenmodell (ab Seite 253).
Was die Buchreihe auszeichnet sind die Ausblicke in biblische und nachbiblische Wirkungsgeschichte.
In diesem Fall nur wenige Bildtraditionen aufgezeigt, ohne die sonst üblichen Ausblick auch auf Literatur, Musik, etc. – ist wohl der schon so fast überbordenden Materialfülle geschuldet. Die besprochenen Bilder aber mit einer Deutung, die mehr ist als einfache Illustration. Ein kleiner Verbesserungsvorschlag zur Karte S. 54. Hier fehlen ausgerechnet die erwähnten und besprochenen Orts- und Flurnamen…
Etwas zu ausführlich für meinen Geschmack die neutestamentlichen Weiterführungen und Deutungen, hilfreich hingegen und anschlussfähig für die heutige Zeit die Darstellung zu Abraham im Koran. Samt der Warnung, Abraham vorschnell zum Verbindenden zwischen Judentum, Christentum und Islam zu stilisieren. Ein Zückerchen sondergleichen, was der Autor punkto interreligiösem Zusammenleben, -feiern aus der Kirchengeschichte ausgegraben hat, und wie Konstantin dies abgewürgt hat. Mich dünkt, unsere Zeit kehre etwas zurück in die Situation der Spätantike, in die Zeit vor der konstantinischen Wende. Und da ist ein Rückblick in verschüttete Traditionen, aber auch in die innerbiblische / nachbiblische Debattenkultur hilfreich und anregend.

Dr. Thomas Markus Meier

Donnerstag, 3. Mai 2018, 13:17


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