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Christian Nürnberger, Die Bibel. Was man wirklich wissen muss   

Buch des Monats Juli 2006

Erst mit dem Schwinden christlicher Kultur in Europa ist es so richtig aufgefallen: Die Bibel ist das Buch, ohne das man nichts versteht, weder die Grundlagen unserer Kultur, noch die Schöpfungen der Kunst und Literatur. Aber wie holt man dieses christliche Allgemeinwissen nach? Dass es damit nicht getan ist, einfach das Bibellesen zu empfehlen, weiss jeder, der es schon versucht hat, die Bibel von vorne bis hinten zu lesen. Und doch müsste es so etwas geben wie «biblische Basics», die wichtigsten biblischen Geschichten, so erzählt, dass sie auch heutige Menschen ansprechen.
Der Journalist und Theologe Christian Nürnberger hat es unternommen, die wichtigsten Geschichten des Alten und Neuen Testaments so zu erzählen, dass nicht nur die Inhalte geläufig werden, sondern auch die revolutionäre Botschaft dieser Geschichten aufscheint. Das ist hohe Kunst – und Nürnberger braucht sich damit nicht zu verstecken. Dadurch dass er sein Christentum ernst und die Bibel wirklich «beim Wort nimmt», entsteht auch für eher «Fernstehende» ein faszinierendes Bild eines biblisch geprägten Christentums. Natürlich ist dieses Bild ein Ideal, hinter dem wir Christen bis heute weit zurückbleiben – und der Autor macht aus seiner Herkunft von der «Integrierten Gemeinde» und deren Theologie kein Hehl. Aber Theologen wie die Brüder Lohfink, auf die sich Nürnberger vor allem beruft, haben ihre Erkenntnisse seit jeher nicht nur allgemeinverständlich dargestellt, sondern auch zu leben versucht. Dieser biblische Ernst macht die Faszination auch dieses Buches aus.
Und: Nürnberger möchte durchaus Konsequenzen ziehen aus der biblischen Lektüre. In einer Zeit, in der kirchliche Verantwortungsträger zwischen New Church-Management und Neo-Fundamentalismus aufgerieben zu werden drohen, sieht er eine dritte Möglichkeit: «Es gäbe … neben Fundamentalismus, Kirche als Verkaufsshow und der Kombination von beidem noch eine dritte, zugegeben etwas aus der Mode gekommene Möglichkeit: Kirche als Volk Gottes. Kirche als Produzent eines neuen Glaubenskapitals. Gewiss, sie hat vergessen, wie man das macht und wie das geht Aber sie könnte ja die Buchdeckel ihrer kurzlebigen Management- und Know-how-Literatur einfach zuklappen und ausnahmsweise mal wieder jenes alte Buch aufschlagen, in dem steht, was in der Kirche zu tun ist, wenn es nicht mehr weitergeht» (S. 215).
Dieter Bauer

Christian Nürnberger, Die Bibel. Was man wirklich wissen muss,
(Verlag Rowohlt) Berlin 4. Aufl. 2005, Geb., 224 S., 16,90 Eur[D] / 17,40 Eur[A] / 30,10 sFr, ISBN 3-87134-534-2

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