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Jan Hus und die Bibel   

Dienstag, 3. November 2015, 09:00 bis 13:00

Der Diözesanverband St. Gallen lädt zur Besichtigung der authentischen Konstanzer Konzilsorte im Zusammenhang mit Jan Hus ein. Mit Museumsleiterin Dr. Libuse Rösch startet die Führung «Jan Hus – Mut zu denken, Mut zu glauben, Mut zu sterben». Anschliessend führt Alois Schaller zum Münster, Verliessen und Hinrichtungsstätten in der Umgebung.

Der St. Galler Diözesanverband des Schweizerischen katholischen Bibelwerks (SKB) veranstaltet in diesem Jahr zum Jahresmotto «Das SKB liest Apostelgeschichte(n)» zwei öffentlich zugängliche Anlässe zu Jan Hus. Dieser bedeutende, aber vielen Heutigen unbekannte Theologe ist vor genau 600 Jahren am Konzil von Konstanz als «Häretiker» zum Tod verurteilt und bei lebendigem Leib verbrannt worden.

 

Bibelpastoraler Reformator Jan Hus

Magister Jan Hus, katholischer Priester, 1402-12 Prediger an der Bethlehemskapelle (sie bot Platz für 3'000 Personen) in Prag und 1409/10 Rektor an der Prager Karlsuniversität kritisierte die damaligen kirchlichen Missstände (Abendländisches Schisma, Reichtum der Kirche, Lebenswandel der Kleriker, Ämter(ver)kauf, Ablasshandel etc.) und wurde vorwiegend auf Grund seines an den Oxforder Professor John Wyklif (+1384) anlehnenden Kirchenverständnisses als Ketzer und Irrlehrer zum Feuertod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

In der Hoffnung, seine Lehre am Konzil überzeugend darlegen zu können, ist Jan Hus bei zugesichertem freien Geleit des Königs Sigismund nach Konstanz zum Konzil gereist, das sich u.a. die «Reform der Kirche an Haupt und Gliedern» zum Ziel gesetzt hat.

 

Stellenwert der Bibel

Für Jan Hus ist die Bibel die Grundlage des christlichen Glaubens und Richtschnur für christliches Leben. Glauben und Leben sind für ihn untrennbar. Das «Gesetz Christi», d.h. die Bibel, ist für die Lebensweise nach dem Vorbild Christi wegweisend. Deshalb sollen auch alle Gläubigen prüfen, ob die Gebote des Papstes dem «Gesetz Christi» entsprechen (Gewissensentscheid). Das setzt natürlich entsprechende Kenntnis der Bibel voraus. Deshalb predigte Jan Hus in der Volkssprache (tschechisch) und hat in seinem Spätwerk «Die tschechische Postille» (1413) die Sonntagslesungen übersetzt und in volkstümlicher Sprache ausgelegt, wie er selber schreibt: «Es ist meine Absicht, die Lesungen so auszulegen, dass sie so einfach wie möglich zu verstehen sind (Mündigkeit und Mitdenken von Laien).

 

Anklänge an die Apostelgeschichte

Die Apostelgeschichte kann als Entwurf für eine Vision von Kirche verstanden werden. So haben die Autoren Heinrich Krauss und Markus Lau ihren neuesten Kommentar zur Apostelgeschichte den Buchtitel «Kirchenträume» gegeben, den das SKB als Logo zum Jahresmotto aufgriff.

Ein Diskurs zur Frage, was Kirche ist, löst zu jeder Zeit kirchenkritische Töne aus – so bei Paulus wie bei Hus.

Hus prangerte z.B. die «Simonie» an (Kauf und Verkauf eines kirchlichen Amtes). Der Begriff stammt aus der Apostelgeschichte (8,9-24). Der Zauberer Simon wollte mit Geld die Geistverleihung kaufen, wie sie die Apostel durch Handauflegung vermittelten. Petrus entgegnete dem Simon: «Dein Silber fahre mit dir ins Verderben, wenn du meinst, die Gabe Gottes lasse sich für Geld kaufen» (Apg 8,20).

Den heftigen Protest von Jan Hus zum Ablasskauf zur Finanzierung eines Kreuzzugs des (Gegen-)Papstes Johannes XXIII. (Baldassare Cossa) gegen König Ladislaus von Neapel (Christen gegen Christen) legitimierte der Kirchenkritiker Jan Hus mit einem Argument des Apostels Petrus aus der Apostelgeschichte: «Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.» (Apg 5,29), was prompt zu seiner «höheren Exkommunikation (Ausschluss aus der Kirche und Kirchenbann), den Wegzug aus Prag in den «Untergrund» und zu ersten Todesopfern (»hussitische Märtyrer») in Prag führte.

Gefängnis, Folter und Tod um des Glaubens willen erfahren schon die Apostel in der der Apostelgeschichte, Jan Hus und Hieronymus von Prag am Konstanzer Konzil und die Opfer, die wegen ihres christlichen Glaubens bis in die Gegenwart umgebracht werden.

Die Apostelgeschichte berichtet im Pfingstbericht über die Predigt des Petrus vom Kreuz und Tod Jesu durch die priesterliche Oberhoheit, die Jan Hus in einem seiner Briefe mit den konzilsmächtigen Kardinälen gleichsetzt.

 

1. Anlass: Jan Hus – sein Leben, seine Theologie und Nachwirkung

Pfarrer Dr. Frank Jehle, emeritierter Universitätsseelsorger an der Uni St. Gallen referiert in seinem Vortrag mit Bild und Wort über das Leben des Jan Hus, erhellt seine theologischen Hintergründe und Nachwirkung, und damit seine Bedeutung, die bis heute aktuell bleibt.

Der Anlass findet statt am Montag, 19. Oktober, 20.00 Uhr, im Andreaszentrum Gossau.

 

2. Anlass: Auf den Spuren des Jan Hus in Konstanz

Am Dienstag, 3. November ist eine Besichtigung der authentischen Konstanzer Konzilsorte im Zusammenhang mit Jan Hus angesetzt. Als erstes führt um 09.45 Uhr  die Museumsleiterin Dr. Libuse Rösch durch die neu konzipierte Dauerausstellung im Jan Hus Museum unter dem Titel «Jan Hus – Mut zu denken, Mut zu glauben, Mut zu sterben».  Anschliessend führt Alois Schaller am Gefängnisort des Hieronymus von Prag (Paulus-Turm) vorbei zu seiner und des Jan Hus Hinrichtungsstätte am «Hussenstein», über das Münster, wo Jan Hus am 6. Juli 1415 zum Tod verurteilt wurde, zum Verliess im ehemaligen Dominikanerkloster (heutige Inselhotel). Um 13 Uhr ist dann zum Abschluss das Mittagessen im Konzilsgebäude vorgesehen.

 

Alois Schaller,

Präsident Diözesanverband SG  Schweizerisches katholisches Bibelwerk